Auf zu neuen Ufern

Ich dachte eigentlich, ich hätte diese Geschichte schon so oft erzählt. Das habe ich glaube ich auch – wohl aber noch nie öffentlich oder nur in Fragmenten. Und anfangs hatte ich auch gar nicht vor, das zu tun und ganz lange habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob ich  überhaupt Bilder von unserem neuen Leben hier im Norden zeigen mag. Als wir die Entscheidung trafen, alle Zelte abzubrechen und im Norden neu anzufangen, wollte ich eigentlich nur noch Pflaumen pflücken und ein ruhiges Leben führen. Warum dann alles ganz anders wurde und warum das gut so ist, das will ich hier erzählen – für mich aber vor allem für alle, die mir in letzter Zeit so herzliche rührende Nachrichten schrieben, denen meine Geschichte Mut macht und für alle anderen natürlich auch, die mich auf meinem Weg begleiten und motivieren. Letzten Endes hätten wir unser neues Haus ohne eine Instagrambekanntschaft nie gefunden. Los gehts also….der Geschichte erster Teil: wie wir auf die Idee kamen, wegzuziehen und wie wir diesen Hof fanden. 

Hier begann alles: Unser erster Urlaub in der Bretagne mit unseren Pferden.

Es fühlt sich so nach Zuhause an

Eigentlich begann alles mit einem Urlaub in der Bretagne vor zwei Jahren. Wir waren wie ein Wanderzirkus aufgebrochen, mit drei Kindern, zwei Hunden, drei Pferden und dem Sack und Pack, der dazu gehört. In diesem wunderbaren Urlaub – ich sage immer noch das war der schönste meines Lebens – wuchs ein ganz leiser Wunsch nach einem anderen Leben – vielleicht sogar einem mit unseren Pferden, obwohl uns klar war, dass das viel Arbeit bedeuten würde (unsere Pferde standen bis zu unserem Umzug in einem dreißig Minuten von Zuhause entfernten Pensionsstall). Aber genau so schnell, wie der Alltag uns nach Ende der Ferien wieder hatte, wurde der Wunsch wieder nur eine Träumerei. Vor acht Jahren, als wir in das schöne Haus im Karlsruher Westen zogen, da hätte ich mir vorstellen können weg zu ziehen, aber nun? Die Kinder waren in Karlsruhe geboren und aufgewachsen und unser ganzes Leben fand dort statt. Wir hatten alles, was wir brauchten. Warum also eine Situation ändern, die oberflächlich gesehen, in Ordnung war. 

Ich fand mich ab damit, dass ich mich eigentlich im Süden nie wohlgefühlt habe und mein Mann und ich sagten ja immer: „Es ist eigentlich egal wo Du wohnst, Du kannst überall glücklich werden!“. Ganz so stimmt das nicht; das weiß ich jetzt. Und dann war es ja auch so, dass, wenn man alles hat und schön wohnt, es nicht so leicht ist zu sagen: es stimmt aber doch etwas nicht. Das Gefühl nämlich. Zuhause sein. Das war ich im Süden nie. Viele andere private Gründe, die ich hier nicht ausführen möchte, kamen dazu und als wir vor fast genau einem Jahr wieder in den Urlaub fuhren, keimte das, was wir in der Bretagne gesät hatten.

Unsere damals drei Islandpferde im Urlaub an der Ostsee.

Müde und geschafft vom anstrengenden Alltag und auf der Flucht vor der Hitze in Karlsruhe landeten wir mit unserem kleinen Wanderzirkus wieder in Meeresnähe: In Osterbyholz in der Nähe von Eckernförde in einem Ferienhaus mit Pferdestall. Wir waren wieder ziemlich glücklich und zufrieden damit, alle bei uns zu haben und durchatmen zu können. Das Wetter herrlich (maximal 30 Grad, Wind und Regen), das Meer in greifbarer Nähe und in einer Landschaft gelandet, die uns so wunderbar wohl tut. Überhaupt sind wir, seit unsere Kinder auf der Welt sind, nie in den Süden gereist. Das südlichste war Österreich – Juist und die Bretagne unsere Favoriten. Wir sind wetterfest und lieben den Norden. Alles am Norden, am meisten die Menschen.

Im Ort war ein Reiterhof zu verkaufen und wir dachten nach. Unternahmen lange Spaziergänge, träumten. Hier wurde uns klar, was wir wollten: einen Neuanfang. Ein vielleicht arbeitsreicheres, aber weniger zerrissenes, ruhigeres Leben und Möglichkeiten etwas zu schaffen – wir wollten nicht nur in den Norden ziehen und Haus gegen Haus tauschen sondern suchten nach etwas größerem, einer Aufgabe. 

Wenn man so schön lebt, macht es die Sache nicht unbedingt leichter zu sagen, wir gehen weg von hier....

Witzigerweise hätten wir unser neues Haus ohne Instagram nicht gefunden: Mit Sanni von @diegutestubeblogt hatte ich schon länger Kontakt. Ich liebe ihre Bilder, die für mich immer meine Sehnsucht schürten. Sanni lebt in einem Dorf nicht weit von unserem jetzigen Wohnort mit ihren zwei Ponys und immer wenn ich die Bilder sah, auf denen sie vom Küchenfenster aus die Pferde beobachten konnte oder das freche Pony auf dem Flur stand, dann sagte ich: genau das will ich auch. Sanni besuchte uns also in unserem Urlaub und wir redeten und erzählten ihr von unseren Ideen. Und Sanni sagte: „Weißt Du was? In unserem Dorf wird eine alte Friesenkate verkauft. Am See. Schau doch mal, vielleicht ist das was“.   Wir schauten nicht, denn so ganz trauten wir uns diesen Traum noch nicht real werden zu lassen und so geriet das Haus eigentlich wieder in Vergessenheit. Im Urlaub zumindest. Wieder zuhause habe ich dann aber doch mal gesucht. Auf einer Immobilienseite. Ich fand das Häuschen und es war schnell klar, dass das nichts für uns war: zu weit weg von anderen Häusern, zu hoher Renovierungsbedarf. Ausserdem wollten wir ja eigentlich auch in die Region Eckernförde; und dieses Objekt war deutlich weiter südlich. Dazu kam, dass wir diese Region überhaupt nicht kannten und einschätzen konnten. Aber ich scrollte die Liste der angebotenen Objekte etwas weiter runter…. 

Das erste Bild, das ich von unserem neuen Zuhaue sah....

… und da stand fand ich ihn: unseren Traum. Ein richtiggehendes Anwesen, das so schön aussah, dass ich Gänsehaut bekam. Grade so viel Land dabei, wie wir es uns wünschten und 15 Minuten entfernt von der nächsten Stadt (Kiel) – wir haben ja drei Jungs, die wir auf’s Land verfrachten würden. Gelegen war es mitten in einem Dorf – also mit Anschluss und Nachbarn. „Ja, das habe ich auch schon gesehen“, sagte mein Mann, „ich habe es schon vor Wochen gespeichert, war mir aber nicht sicher wegen der Lage“… Wir fragten an und nach langem Hin und Her und schlaflosen Nächten, fuhr mein Mann gen Norden und schaute sich den Hof an. Wir waren uns vorher einig, dass, wenn wir das machen wollten, das Objekt zu 90 Prozent passen sollte und wir möglichst wenig Kompromisse eingehen wollen. Es müsste wirklich das richtige für uns sein und wir absolut überzeugt von der Immobilie sein. Noch eine weitere Hürde war, dass wir unbedingt innerhalb eines Jahres umziehen wollten, denn dem Jüngsten stand der Schulwechsel bevor und unsere zwei älteren Jungs wären irgendwann zu alt, um  nochmals irgendwo anders heimisch zu werden. Und letzten Endes werden wir auch nicht jünger (wir sind beide um die 50). Jetzt oder nie also.

Und so wurde es spannend. Wie spannend, das erzähle ich euch beim nächsten Mal. Ich muss nämlich jetzt die Pferde versorgen. Und dann werde ich einen Tee trinken und mich in den Stall setzten und geniessen, dass ich ihnen beim Fressen zuhören kann.  Uns gehts hier nämlich sehr sehr gut. So viel kann ich schon sagen. Im schönen echten Norden. 

10 Kommentare

  1. Ich habe es gelesen und Gänsehaut bekommen! Dieser Beitrag ist so berührend. Ich kann einige deiner zu Schrift gebrachten Empfindungen sehr nachfühlen. Dieses leise innere Rumoren im Bauch, manchmal mehr, manchmal weniger. Das Gedankenkarussell, Zweifel, Vorwürfe, Schuldgefühle, das Gefühl, dem Leben gegenüber undankbar zu sein… Ich freue mich für dich/euch, bewundere deinen/euren Mut und bin ein klitzekleines bisschen neidisch. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung!

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    • Liebe Katja,
      wenn nur annähernd rüberkommt, was für ein Kampf das für mich war. Es war die schwerste Entscheidung meines ganzen Lebens. Es hat mich allen Mut gekostet und ich glaube, es hat sich gelohnt.
      Danke für Deine lieben Worte.
      Grüße
      Eva

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  2. Liebe Eva,
    Deine Geschichte hat mich richtig berührt .Diese tiefe Sehnsucht nach einem Zuhause selbst wenn man ein wunderschönes Zuhause hat .
    Ich bewundere Dich und Deinen Mann .Wie gerne würde ich mich das auch trauen . ..aber aber ..leider..leider..
    Daher freue ich mich jetzt schon so sehr wie es weitergeht .
    Danke Dir ❤
    LG Kerstin

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  3. Oh Gott, wie schön geschrieben!
    Ich freue mich sehr für euer Glück und bin gespannt wie die Geschichte weiter geht!

    LG Kerstin (heim.spiel)

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  4. Liebe Eva, so musste es sein! Und es ist ganz ganz tolle Geschichte,die du und vielleicht eure Kinder immer weiter erzählen werden..den Ekelnden und den Urenkeln…
    Fast genau wie bei uns, mit Ausnahme, das wir uns nicht getraut haben ,weil es Ausland ist, nach DK zu ziehen..aber immer hin einen Domizil schon mal für später ggf „gesichert “ 🙂 ..im Norden! in dem geliebten Norden!
    Es ist bestimmt nicht weit von euch :)..kommt uns doch mal besuchen! für Pferde ist hier auch ein Paradis. und für Menschen allemal
    Liebe Grüsse und weiterhin alles alles beste für die neue Zukunft
    Natalie

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  5. Vielen Dank fürs Teilen liebe Eva. Da ich die Geschichte in Fragmenten schon kannte, ist es umso schöner sie nochmal nachzulesen. Euren Mut finde ich großartig.
    Herzliche Grüße aus dem Süden.
    Alles Liebe
    Yvonne

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    • Liebe Yvonne,
      ich danke Dir für alles! Und ich habe ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil hier immer noch ein Päckchen wartet. Du bist einer der Menschen, warum ich es echt schade finde, dass ich nun so weit weg bin, aber ich bin davon überzeugt,dass wir uns bald sehen. Spätestens in Hamburg. Liebe grüße

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  6. 08

    Liebe Eva, eine wunderbare Geschichte von der ich hoffe, dass sie genauso für euch weiter geht!

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    • Vielen Dank!
      Wir sind allerbester Dinge und fest davon überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Es ist so schön hier.
      Alles Liebe
      Eva

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  7. 10

    Liebe Eva!
    Was für eine wunderschöne und echte Geschichte! Ich kann mich so sehr gut in dich hineinversetzen, besonders wie du sagst „wenn man schön lebt und sich doch nicht zu Hause fühlt.“
    Ich weiß genau, wie schwierig diese Entscheidungsfindung für euch gewesen sein muss. Ihr habt auf euer Gefühl gehört und es fühlt sich richtig an- so so toll, dass ihr den Schritt gewagt habt. Wenn ich eure Geschichte so lese, wird mir bewusst- ihr habt es genau richtig gemacht, so muss das echte Leben sein….Träume wahr werden lassen! Alles Liebe für euch fünf plus Hunden und Pferden! Tanja 💗

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