Renovierung

... oder wie wir ein Sechziger-Jahre-Haus aus dem Dornröschenschlaf weckten.

Bevor es nun in den Norden geht, habe ich mir gedacht, wir verabschieden uns mal gemeinsam von unserem alten Haus. Wie wäre es, wenn ich euch unsere Geschichte hier erzähle und später auch noch einige Details zeige? 

Vor einigen Wochen wäre das für mich emotional viel schwieriger gewesen; da gab es nämlich tatsächlich eine Zeit, in der ich sehr gezweifelt habe, an unserer Entscheidung hier alles aufzugeben und im Norden neu anzufangen. Und da taten auch Kommentare wie „wie könnt ihr nur?“ und „Und das schöne Haus?“ einfach nicht gut. Aber spätestens nach unserem letzten Besuch in der neuen Heimat, der so positiv war, dass ich am liebsten geblieben wäre, habe ich keinerlei Zweifel mehr und verabschiede mich dankbar aber ohne Wehmut von diesem schönen Haus, das leider am für uns falschen Ort steht. Dazu aber später mehr. Nun erzähle ich euch aber erst mal, die Geschichte, wie wir diese Perle fanden. Und es ist auch Zeit für ein paar Fotos, die ich bisher nicht gezeigt habe.

Wir wohnten zwei Straßen weiter in einer Jugendstil-Haushälfte, die wir gerade liebevoll fertig renoviert hatten. Es gab einen kleinen Garten und nette Nachbarn und eigentlich keinen Grund auszuziehen. Bis eines Tages mein Mann nach Hause kam. Dazu müßt ihr wissen, dass wir damals nichts lieber getan haben, als  durch das Viertel zu laufen und uns Häuser anzuschauen. Mein Mann sagte also: „Du, unser Nachbar verkauft gar nicht das Haus an der Ecke; der verkauft das Haus daneben!“ „Wie? da ist ein Haus? Welches Haus?“ fragte ich. Mein Mann hatte zwischenzeitlich schon die Grundrisse besorgt und danach war klar: Das schauen wir uns mal an –  so rein interessehalber. Der Grundriss war nämlich so, dass meine Meinung folgende war: „Schatz, das ist perfekt für uns!“. Und das war es in der Tat. Das erste was ich sah war der Garten des Hauses. Was viele nicht sehen: wir wohnen quasi mitten in der Stadt und doch so grün mit altem Baumstand. Mit dem Fahrrad sind wir in 10 Minuten im Zentrum von Karlsruhe. 

In der Tat war es so, dass sich das Haus quasi vor dem Publikumsverkehr versteckte. Es war sehr unscheinbar, erbaut 1961 in Zeiten des Kalten Krieges, mit einem Bunker im Keller. Der Vorbesitzer hatte dies zum Konzept gemacht: „Wenn hier nochmal der Franzose einmarschiert, dann läuft er an unserem Haus vorbei“, war sein Motto – das sah man dem Haus an. Gut so, denn es bot so eine gute Grundlage, um wirklich etwas besonders daraus zu machen.

Vorher versteckte sich das Haus vor den Passanten
Nachher hielten viele an und fotografierten oder klingelten an unserer Haustür.

Das Haus versteckte sich aber nicht nur vor den Passanten sondern auch vor dem wunderschönen Garten mit altem Baumbestand. Es war sogar recht dunkel, denn die Decken sind nicht besonders hoch und es gab nicht besonders viele und vor allem so große Fenster wie jetzt. Aber: es hatte uns gepackt. Und nach zwei schlaflosen Nächten hatten wir uns entschlossen: wir machen das! Es ist eine einmalige Gelegenheit und wir hatten uns immer ein gastfreundliches Haus mit viel Platz gewünscht, in dem unsere drei Söhne aufwachsen und ihre Freunde immer willkommen sind. Und dann hatten wir uns auch immer gewünscht ein Haus ganz nach unseren Träumen zu gestalten und waren total glücklich einen wunderbaren Architekten zu finden, der genau das mit uns realisierte. 

Das Haus versteckte sich nicht nur vor den Passanten sondern auch vor dem wunderschönen Garten. Bemerkenswert: die Terrasse war überhaupt nicht vorhanden. Es gab nur eine kleine schattige, die nun der unfreiwillige Fahrradparkplatz ist 😉

Herausgekommen ist ein warmes Haus mit viel Licht und Raum zum Wohlfühlen. Die Zusammenarbeit mit den Architekten war wunderbar, denn wir hatten klare Vorstellungen aber auch genügend Phantasie um uns auf neue Ideen einzulassen – zum Beispiel die Einbauschränke, die man im ganzen Haus findet oder die dunkle Fassade. Und dass es wirklich etwas ganz besonders wurde, beweisen auch die Preise, die wir gewannen und die Veröffentlichungen in einigen Magazinen, u.a. in der „HÄUSER“. Den Artikel findet ihr hier: https://www.schoener-wohnen.de/architektur/haeuser-awards/34686-bstr-haeuser-award-2013-die-20-finalisten/120336-img-haus-karlsruhe

Leider Konten wir das Parkett nicht retten
Dafür haben wir aber viel Licht und modernes Flair ins Haus gebracht

Bevor wir mit dem Umbau begannen, feierten wir meinen vierzigsten Geburtstag hier im leer geräumten Haus. Es war ein tolles Fest und die Kinder durften die Wände bemalen. Und es ist schon ganz schön kurios, dass wir nun, ein Jahr vor meinem Fünfzigsten Geburtstag schon wieder ausziehen werden. So viel hat sich für uns privat in diesen Jahren verändert und unser Leben passt einfach nicht mehr hierher. Es sind viele Gründe, die uns zu der wirklich nicht leichten Entscheidung bewogen haben von hier weg zu gehen. Ich möchte sie hier nicht alle aufzählen, weil diese natürlich auch privater Natur sind. Hauptsächlich haben mein Mann und ich uns gefragt, wo wir alt werden wollen und beide unisono gesagt, „Nicht hier“. Und natürlich da noch profanere Grüne, unsere Pferde zum Beispiel. Wir haben mittlerweile vier Islandpferde, die einen großen Raum in unserem Leben einnehmen. Und dann ist da die Hitze hier in der Rheinebene. Wärme und Sommer sind ja wunderbar aber ab Mitte Mai sitzen wir hier im Dunklen, weil wir wegen der Sonne alle Jalousien runterlassen müssen und ab Juni gehen wir so gut wie nicht mehr in den Garten, weil es einfach zu heiss ist. Ich glaube das hat mich in der ganzen Zeit am meisten belastet – so schön die milden Winter hier auch sind. Und ganz offen gesagt, bin ich hier in Baden nie wirklich angekommen. Es hält uns hier so wenig und wir freuen uns jetzt auf ein neues, anderes Leben im Norden. Der Aufbruch hat uns schon jetzt verändert und auch unsere Söhne sind aufgeblüht und voller Vorfreude. 

Nun kommen noch ein paar Bilder vom damals frisch renoviertem Haus. Beim nächsten Mal zeige ich euch dann noch den Innenausbau mit vielen tollen Vorher-Nachher-Fotos und vielleicht die Bäder. Wenn ihr noch Wünsche habt, was ihr gern sehen möchtet, dann schreibt mir gerne. 

Die Planungen für das neue Haus laufen auf Hochtouren. Auch da werde ich immer wieder hier berichten. Abonniert mich doch gerne und über Feedback in den Kommentaren freue ich mich riesig. 

Fotos: Johannes Kottjé

9 Kommentare

  1. 01

    WOW! Wunderschön! Das neue Haus wird bestimmt auch ein Traum.
    Immer schön zu hören wenn Mut sich lohnt!
    Herzlich
    Susann

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    • Ich hoffe, dass er belohnt wird. 😉 Das wissen wir ja noch nicht. Das neue Haus ist auch etwas ganz anderes, weil wir da nicht so viel verändern werden. Vielen Dank aber auf jeden Fall und liebe Grüße
      Eva

      Antworten
  2. 03

    Ich finde eure Entscheidung klasse. Ich habe als Projektleiter für Großprojekte auch schon fast überall gelebt und ich kenne das Gefühl nicht anzukommen. Ich hab’s im Schwabenland versucht im Norden (Hannover) und wir sind tatsächlich wieder in das Dorf zurück wo ich aufgewachsen bin. 😂aber eins ist klar alt werden wir hier nicht 😂😂😂😂sobald die Jungs studieren suchen wir unser neues Leben.
    Da ihr jetzt auszieht ich hätte wirklich gerne Ideen für Kinderzimmer: Jungs
    Lg Karina

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    • Liebe Karina, vielen Dank für Deine Nachricht. Das ermuntert sehr. Ich bin ja schon sehr oft umgezogen aber so lange wie hier habe ich nur zuhause bei meinen Eltern gewohnt. In das Dorf dort würde ich allerdings auch nicht zurück wollen. Meine Eltern fühlen sich im Norden auch sehr wohl, übrigens. Ich finde nur, mit Kindern werden solche Entscheidungen viel schwerer. Wir haben uns allerdings gesagt, dass es die letzte Gegebenheit ist, es mit den Jungs zu schaffen. Wir wollten nicht so lange warten. Viele Grüße Eva

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    • Ach so… Ideen für’s Kinderzimmer findest Du hier im Blog. Schau mal unter neues im Jungzimmer. 😉

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  3. So ein schöner ausführlicher Bericht- vielen Dank! Ich bin gespannt auf das neue Haus und beneide euch ein bisschen, dass ihr so ein spannendes neues Projekt habt. 😉

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    • Liebe Marie, vielen Dank für Deine netten Worte. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass wir nochmal so ein tolles Projekt beginnen dürfen. Allerdings ist es natürlich auch sehr aufregend und spannend. Einen schönen Abend Dir. <3

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  4. Liebe Eva,

    ich danke dir für diesen ausführlichen Bericht. Ihr habt aus eurem Haus mit viel Gespür für Design und guten Geschmack ein kleines Paradies gemacht. Nun bin ich auf euer neues Haus gespannt und freue mich riesig für euch.

    Liebe Grüße

    Kerstin

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    • Liebe Kerstin, vielen Dank für das nette Feedback. Das tut gut und ermuntert mich natürlich dazu, mehr zu erzählen. Vom neuen Haus gibt es bald viel zu berichten; aber ihr müsst euch noch ein ganz klein wenig gedulden. Viele Grüße Eva

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