Auf zu neuen Ufern (2)

Der Wahnsinn. Die Zeit rennt hier natürlich genau so wie im Süden und nun ist es schon Silvester und ich habe euch unsere Geschichte noch immer nicht zu Ende erzählt. Dabei hatte ich das doch versprochen. Aber welcher Tag würde sich denn besser eigenen als der letzte Tag dieses sehr ereignisreichen Jahres, um euch darüber zu berichten, wie wir letzen Endes hier im schönen echten Norden gelandet sind und vor allem wie es uns ergangen ist. 

Wir hatten also unser Traumobjekt gefunden. Und nun begann ein dreimonatiges Hin und Her – nervenzerreibend das kann ich euch sagen. Letzen Endes sagte ich zuvor ja schon immer: „wenn die Kinder nicht wären, wäre ich schon weg aus dem Süden…“ Das heißt nun wiederum, das war genau der Punkt, der uns so unendlich schwer viel. Die Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung zu reissen und ganz neu zu beginnen. Mein Mann hatte sich den Hof im Oktober erstmals angeschaut und er war unsicher: die Landstraße in unmittelbarer Nähe irritierte ihn und ich war mittlerweile emotional so aufgerieben, dass ich sagte: „Weißt Du was? Ich mag gar nicht mehr darüber nachdenken, lass es uns vergessen.“ Und wer kennt das nicht? Man redet nicht genug und verliert dabei das Ziel aus den Augen. Mein Mann war enttäuscht, sagte aber nichts und so blieben die Fotos, die er damals vom Hof machte auf seinem Rechner – unbesehen von mir. Was für ein Fehler. 

Im November waren wir zum Geburtstag eines Kommilitonen meines Mannes (er hat in Lüneburg studiert) eingeladen und freuten uns auf das erste gemeinsame Wochenende seit 15 Jahren. Und ganz „zufällig“ (Zufälle gibts ja nicht) sah ich die Bilder, die mein Mann damals bei seiner Belichtung auf dem Hof machte auf seinem Rechner. „Was ist das denn?“ „Na, das ist der Hof.“ Ihr müsst wissen, die Maklerfotos reichten damals nicht annähernd an das wie schön es wirklich hier ist. 

Verliebt in roten Backstein. Überall gibt es schöne Ecken auf diesem Hof.

„OK. Ich will das wenigstens gesehen haben, bevor wir es tatsächlich zu den Akten legen“ sagte ich. Also planten wir einen Ausflug nach Warnau vor unserem Termin in Hamburg. Und dieser Besuch änderte alles. Wir fuhren durch das Tor auf den Hof und mich überzogen Gänsehäute und mir wurde ganz schlecht. Ich wußte, wir mussten eine Entscheidung treffen und diese Entscheidung war eine für diesen Hof, für ein neues Leben, für unsere Familie. Denn letzten Ende war dieser Umbruch genau das – aber darauf will ich hier nur am Rande eingehen. Nur so viel: manchmal ist man an einem Punkt, an dem es nicht mehr weiter geht und wenn man vorwärts denkt, dann reisst man alles mit – auch die Kinder, die dies positive neue Energie spüren. 

Auf jeden Fall waren wir verliebt, mein Kopf ein großer Kinosaal, mit hunderten Ideen für diesen Ort und wir konnten eigentlich nicht mehr zurück, obwohl uns wirklich alle für verrückt hielten, unser schönes Haus zu verlassen und alles aufzugeben, denn das mussten wir um diesen Traum finanzieren zu können. Es fragen ja immer noch einige, ob wir unser Haus in Karlsruhe denn nicht hätten behalten wollen. Und da sagen wir ganz klar: das stand nie zur Diskussion. Zurück aus Hamburg erzählten wir es meinen Eltern (die meines Mannes leben nicht mehr) und die waren erst mal geschockt und natürlich wie alle anderen auch skeptisch. Unser großes Glück ist es, dass wir beide selbstständig sind. So war der Schritt groß aber machbar und dennoch, hat es unglaublich viele Nerven und bange Minuten gekostet. Der Hof  war für uns perfekt: genau so gr0ß wie wir ihn uns vorstellten; was meinen Mann und mich aber restlos aus den Socken haute (anders kann ich es nicht bezeichnen) war das alte Herrenhaus mit seinen hohen Stuckdecken. Ein Traum. So wollten wir doch immer noch einmal leben, wenn wir umziehen wollen würden. Wenn man so einen Hof sieht, würde man das erst mal nicht vermuten; dass wir so eine Perle fanden, hat uns restlos überzeugt. 

Und nun hiess es, den Kindern von unserem Plan zu berichten. Wir entschlossen uns dazu „Leitwölfe“ zu sein und trafen unsere Entscheidung im Prinzip allein. Wir sprachen aber viel mit den Kindern über unseren Plan. Unser ältester (damals 15) war begeistert („Bekommen wir dann einen Rasenmähertraktor oder einen Aufsitzrasenmäher?“), der mittlere nicht begeistert aber auch nicht komplett dagegen (das sensible Kind, das spürt, dass etwas gutes passiert) und das jüngste Kind fand es cool, dass sein Pferd, sein allerbester Freund, nun bei im wohnen sollte. Die Voraussetzungen waren also nicht so schlecht, trotzdem war es schwer. Im Januar fuhren wir alle zusammen erstmals in den Norden und am Ende dieser Tage zu fünft in der zum Hof gehörenden Ferienwohnung, teilten wir den Kindern unseren Entschluss mit. Es gab ein paar Tränen und es brach mit das Herz aber alles in allem schauten wir freudig in die Zukunft. Für mich stand nur noch die Frage zur Debatte, ob die in unmittelbarer Nähe liegende Bundesstrasse ein Problem werden würde – der einzige Pferdefuss – die bald zur Autobahn mit hohem Lärmschutz ausgebaut werden würde. Damals habe ich mir sehr viele Gedanken darum gemacht und mittlerweile muss ich sagen, dass es uns überhaupt nicht stört. 

Unser Traum ein Leben mit den Pferden. Aber stört uns die Straße?

So, nun wird dieser Bericht doch wieder etwas länger und ich hoffe, ich langweile euch nicht mit so viel Text. Aber für mich ist es gerade so schön, das alles nochmals Revue passieren zu lassen, so dass ich mich entschlossen habe, weiter zu berichten. Nur ein zwei Gedanken möchte ich noch mit euch teilen, die vielleicht dem einen oder anderen in einer ähnlichen Situation helfen mögen. Natürlich haben wir mit vielen Menschen über unseren Entschluss gesprochen. Ganz wichtig war es für mich aber eine neutrale Person zu haben, die uns dabei hilft, den Kindern den Neustart zu erleichtern und vor allem mich ein wenig zu begleiten. Ich habe also nach einem Coach gesucht und unsere Kinder hatte die Möglichkeit mit jemandem ausserhalb der Familie bei Bedarf zu sprechen. Ich habe diese Möglichkeit mich mit einem Profi auszutauschen gerne genutzt und im Endeffekt lief dann alles so reibungslos, dass es bei zwei Terminen blieb. Es war aber sehr gut jemanden im Hintergrund zu wissen, der  Stütze sein kann in schwierigen Situationen. 

Letzten Endes stellten sich all diese Fragen natürlich deshalb besonders, weil es bei uns ja keinen beruflichen „Zwang“ gab umzuziehen. Das ist eine völlig andere Fragestellung, finde ich, wenn man dann bewußt diese Veränderung auch mit den Kindern wagt und sie macht es nicht unbedingt einfacher. Bisher muss ich aber sagen, dass es für uns die absolut richtige Entscheidung war. 

Ganz wichtig war es für uns, dass wir in den kommenden Ferien immer wieder ein paar Tage hier im Norden verbrachten, um „unser Dorf“ kennenzulernen und eine Schule für die Kinder zu finden. Und natürlich hatten wir hier eine riesige Baustelle, denn so ganz ohne Renovierung konnten wir nicht einziehen. Und da das jetzt ziemlich viele Informationen waren, die mit Interior nicht allzu viel zu tun haben, geht es im nächsten Teil meiner Geschichte weiter mit der Renovierung und meinen Vorstellungen wie dieses Haus einmal aussehen soll  und natürlich dem Umzug. Und dann stelle ich euch hier noch die Verwandlung und Einrichtung der einzelnen Räume hier vor, die nun langsam nach und nach fertig werden. 

Nun wünsche ich euch allen aber erst mal ein glückliches 2020. Hier stehen viele Projekte auf dem Programm: im Februar ist unsere Ferienwohnung fertig renoviert, der erste Workshop findet statt und Ende des Sommers plane ich hier eine Überraschung für euch. Bleibt mir gewogen und hinterlasst ganz gerne einen Kommentar. Ich freue mich. 

Viel Arbeit bis zum Einzug in wenig Zeit wartet auf uns. Wir freuen uns darauf.

12 Kommentare

  1. Liebe Eva, Euer Mut, Euer Entschluss, so zu leben, wie Ihr es wirklich möchtet, das ist für mich die größte Inspiration. Das Haus, der Hof, all das ist toll, wunderschön. Und was Du daraus machst, ist unglaublich. Aber all das wäre doch irgendwie „nichts“, wenn Ihr Euch nicht für diesen Neuanfang entschieden hättet. Besonders schön finde ich, dass jetzt nicht nur Eure Hunde, sondern auch Eure Pferde ganz nah bei Euch sind. Die ganze Familie an einem Ort. Toll! Herzlichst, Eva

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    • Liebe Eva,
      vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ja aber das wichtigste ist, dass wir als Familie so sehr zusammen gewachsen sind. Und die Pferde bei uns zu haben ist wirklich schön und ganz besonders.
      Viele Grüße
      Eva

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  2. Das habe ich sehr gerne gelesen, liebe Eva, und freue mich auf mehr!!!

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  3. 05

    Liebe Eva,

    vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Es hört sich spannend an. Ich persönlich finde es großartig, dass ihr diesen Schritt gegangen seid. Für mich persönlich gab es im Jahr 2015 eine Veränderung in meinem Leben, die mir gut getan hat.
    Ich freue mich schon sehr, bei deinem 1. Workshop dabei sein zu können.
    Liebe Grüße von der Nordseeküste
    Kerstin (Sonja)

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  4. Super schön geschrieben, liebe Eva! Danke, dass du eure Geschichte teilst und uns Einblicke in euer Leben auf dem Hof gibst. Es ist wirklich inspirierend!
    Man merkt richtig, wie es gedanklich zwar hin und her ging, ihr euch dann aber aus dem Bauch (und Herzen) heraus richtig entschieden habt. Uns steht in den nächsten Jahren auch eine komplette Veränderung bevor, inklusive der Suche nach einer neuen Heimat inklusive Bleibe. Hauptsache weiter im Norden, möglichst nah
    am Meer. Ich hoffe, wir haben genauso viel Glück und Mut wie ihr es habt.

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    • Liebe Mareile,
      Dann wünsche ich Dir auch alles Glück dieser Welt, dass es bei euch genau so gut klappt wie bei uns. Und ja, es war ein langes langes Hin und her.
      Viele Grüße

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  5. Liebe Eva,

    das mit der Straße beruhigt mich….als du mir vor ca einem Jahr davon erzählt/ geschrieben hast, habe ich oft darüber nachgedacht, ob sie euch stört…..lustigerweise noch vor ein paar Tagen :-).

    Liebe Grüße und einen guten Start wünscht
    Christina aus der Hufeisensiedlung

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    • Liebe Christina,
      wie schön, von Dir zu hören. Es ist wirklich so. Keine Minute. Auch im Sommer nicht. Hier im Haus hört man ohnehin nichts und in zwei drei Jahren haben wir ja zusätzlich einen Lärmschutzwall.
      Ganz liebe Grüße
      Eva

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  6. So eine schöne Geschichte? Ich habe Gänsehaut und einen Kloß im Hals.
    Danke das du dies mit uns teilst?
    Ganz liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim gestalten eures Traums

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  7. Liebe Eva,
    Willkommen im Norden! Ich freue mich, dass wir jetzt quasi Nachbarn sind! Und ich ziehe meinen Hut vor deinem Mut und deinem Enthusiasmus – großartig wie du den Hof umgestaltet und zu eurem Heim gemacht hast!

    Liebe Grüße,
    Renate

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